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tumult

„Wo das Vorur­teil wohnt … “

… Dieser Satz­an­fang war Ausgangs­punkt eines gemein­sa­men Schreib­ex­pe­ri­ments in der Zünd­stoff-Redak­tion. Spon­tan kamen einige Texte zustande: lustige, wütende, fragende, alberne, in Reim­form oder asso­zia­tiv auf Papier gekrit­zelt. Was Vorur­teile mit Vorrä­ten zu tun haben können, darum geht es in den zwei folgen­den Texten. 

Wo das Vorur­teil wohnt … 

…ist die Oma von nebenan. Heute hat Ingrid von nebenan sich wieder darüber aufge­regt, dass schon wieder zu viele Menschen mit einer ande­ren Haut­farbe (nett ausge­drückt) nach Deutsch­land kommen. Ich habe mir ange­hört, was sie gesagt hat und bin wieder in meine Wohnung gegan­gen, wo ich einen großen Wutan­fall hatte. Ich konnte mir einfach nicht vorstel­len, wie man so denken kann, WARUM??? Es sind doch genauso Menschen wie sie, bloß, dass sie bei ihrer Flucht nach Deutsch­land viel mehr aufneh­men muss­ten als manch ande­rer. Ich meine, was ist denn Ingrids Problem daran, dass sie ihr das Essen wegneh­men oder was?

Sie hat eine riesige Vorrats­kam­mer mit allem mögli­chem Zeug, mit dem sie sogar eine Apoka­lypse über­le­ben würde.

Ein ande­rer Punkt, den sie immer wieder zur Spra­che bringt, ist, dass ja alle krimi­nell sind. Erstens: woher will sie das wissen; zwei­tens: stimmt das ja mal abso­lut nicht und drit­tens: ist ihr Sohn doch der, der eine Bank über­fal­len hat und deswe­gen im Knast sitzt. Also was ist ihr scheiß Problem, sie soll doch bitte einfach alle Menschen akzep­tie­ren, außer Nazis, die könnte es bitte nicht mehr so viele geben also am besten gar nicht, Danke. :))

Von Hannah/Joe

Veröf­fent­licht am 08.12.2021

Hannah/Joe auf Instagram

Das Vorur­teil im Vorrats­schrank

Wo das Vorur­teil wohnt, wird das Zusam­men unter­wan­dert                

Das oberste Gebot ist die Distanz zwischen uns und all den ande­ren 

Wo das Vorur­teil wohnt ist die Ordnung stark veran­kert                   

Nur Augen­schein­se­pa­ra­tion und kein wirres Durchein­an­der  

 

Fein säuber­lich ist‘s aufge­baut, dass Welt­bild in dem wir alle leben

Ein Einmach­glas voll weißer Krauts, die in ihren Sudge­he­gen schwe­ben                                                                                        

Nach allge­mei­ner biede­rer Art wurde es seit jeher ange­rich­tet             

So dass schon Opa Kuni­bert nach racial profile rich­tet  

 

Doch bedenke auch das Sauer­kraut war mal Weiß­kohl aus drecki­ger Erde                                                                                               

Bevor er für den Sonn­tags­schmaus in Essig­pe­trol gärte                

Nun liegt es davon voll­ge­saugt in Porzel­lan für eine Wohl­ge­nährte

Fami­lie die in ihrem Haus stehts Vorur­teile lehrte

 

Eigent­lich gibt’s keinen Grund die Gläser einzu­ord­nen                       

Was unter­schei­det grund­le­gend noch Sauer­kraut und Essig­gur­ken     

Uns soll es an diesem Punkt eigent­lich nicht mehr belan­gen       

Simpel raus mit dem Befund: im Magen kommt eh alles zusam­men.

 

 

Von Til

Veröf­fent­licht am 08.12.2021

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