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tumult

Farben­spiel

Wenn Mutter Natur sich nicht gerade mal um natür­li­che Selek­tion und die Aufrecht­er­hal­tung von Ökosys­te­men kümmert, nimmt sie gerne mal ihren Pinsel, eine große Packung Wasser­farbe und fängt an, ihre Krea­tio­nen mit tausen­den Farben zu deko­rie­ren.
Man muss nur mal einen kurzen Trip in den Wald unter­neh­men, um ihre Kunst­werke bestau­nen zu können: Alte, braune Baum­stämme halten Äste und Zweige mit lebhaft grünen Blät­tern hoch, die dem dunklen Moos und den roten, blauen, violet­ten Beeren am Weges­rand Schat­ten schen­ken.
Kara­mell­braune Rehe rennen in der Ferne um die Wette, während der schwarz-weiß gefie­derte Specht mit dem ikoni­schen roten Kopf­strei­fen Würmer aus der Rinde der Bäume pickt.
Die Sonne scheint zwischen den alten Stäm­men durch und gibt dem mit rostro­tem Laub bedeck­ten Boden einen gelb­li­chen Schim­mer.
Im Herbst scheint schließ­lich jeder Baum zu wett­ei­fern, wer denn die buntes­ten Blät­ter hat – und wenige Wochen später wird der dunkel­grüne Fluss mit roten, gelben, brau­nen Blät­tern deko­riert.
Der Wald ist nur ein klei­nes Beispiel für die farben­frohe Welt, die Mutter Natur erschaf­fen hat. Einem kann man sich jedoch sicher sein: Egal, wohin man hingeht, es wird immer Farben geben. Nicht, weil Mutter Natur jeden Ort dieser Erde bunt ange­malt hat – sondern weil sie uns Menschen selbst die Farbe geschenkt hat.

Unser mensch­li­cher Körper ist bereits voller Farben. Braune, grüne, blaue Augen, irgend­was dazwi­schen, blonde, rote, braune, schwarze Haare, von heller bis dunk­ler Haut, von roten bis blas­sen Lippen – schaut man genau hin, ist der Mensch bereits in seiner ‚natür­li­chen‘ Form ein einzi­ges großes Farben­spiel. Jedoch hat Mutter Natur uns nicht nur unsere Farbe geschenkt. Sie hat uns auch einen Pinsel geschenkt.
Heut­zu­tage ist es einfa­cher als je zuvor, seinen Körper so bunt zu gestal­ten, wie man es sich nur vorstel­len kann. Wir können unsere Finger­nä­gel färben, unsere Lippen in allen mögli­chen Farben erstrah­len lassen, mit Kontakt­lin­sen unse­ren Augen einen neuen Look verpas­sen. Wir können unsere Haare färben – nicht nur eine, sondern viele Farben auf einmal können sie tragen. Mit Tattoos wird unser ganzer Körper zu einer großen Lein­wand, die wir gestal­ten können, wie wir wollen. Auch Klei­dung wird genutzt, um das Farben­spiel des Körpers zu ergän­zen, genauso wie Acces­soires und Schmuck.
Wir Menschen haben als einzi­ges Lebe­we­sen auf diesem Plane­ten die Möglich­keit, aus unse­rem Körper das zu machen, was wir wollen. Farben sind nicht das einzige, was uns dabei hilft, unse­ren Körper so zu gestal­ten, wie wir es uns wünschen – dank plas­ti­scher Chir­ur­gie und vielen ande­ren Möglich­kei­ten wie zum Beispiel Hormon­ein­nahme können wir unse­ren Körper komplett verän­dern und uns zu unse­rem perfek­ten Selbst machen.

Wir haben alle diese Möglich­kei­ten und wir soll­ten sie auch nutzen – denn jede und jeder sollte so sein, wie sie und er es sich wünscht.

 

Was möchte ich mit diesem Text also ausdrücken? Zwei Dinge, um genau zu sein. Zum einen sind mensch­li­che Körper etwas schö­nes, gerade weil sie in allen Formen, Farben und Größen kommen. Niemand sollte sich für seinen Körper schä­men, nur weil die Gesell­schaft oder andere Menschen ein gewis­ses Ideal­bild von einem Körper haben. Jeder Körper ist einzig­ar­tig.
Zum ande­ren sollte man sich aber gleich­zei­tig in seinem Körper wohl­füh­len. Manche Leute fühlen sich so wohl, wie sie bereits sind, andere nicht. Für diese ‚ande­ren‘ habe ich einen Ratschlag: Macht euren Körper so, dass ihr euch in ihm wohl­füh­len könnt.

Mutter Natur hat uns einen Pinsel gege­ben, und es ist nichts schlim­mes, diesen Pinsel zu nutzen; man sollte ihn sogar nutzen. Das Wich­tigste ist einfach, dass ihr mit Stolz sagen könnt: ‚Ich liebe meinen Körper‘. Wie man dahin kommt, ist egal – Haupt­sa­che ist, dass dir dein Körper gefällt, und niemand ande­rem.
Denn eins wird sich nie ändern: Es ist dein Körper.

Von Leon

Veröf­fent­licht 30.06.2021